International in D und im ERF
Zitate aus dem lesenswerten “8. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland (Juni 2010)”
… und was der ERF tut.
Warnung: Dieser Blog-Beitrag ist sehr umfangreich! Deshalb nur bei echtem Interesse lesen:-)
Warum ist das Thema für Deutschland wichtig?
„Kurz gesagt: die deutsche Bevölkerung wird weniger, älter und vielfältiger.“
„Die erfolgreiche Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ist für die Bewältigung des demographischen und gesellschaftlichen Wandels zentral. Eine älter werdende Gesellschaft kann es sich nicht leisten, die Potenziale von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund nicht zu nutzen und zu fördern.“ (S. 35)
„Die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft hängt maßgeblich davon ab, ob es ihr gelingt, Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen kulturellen Prägungen und unterschiedlichem sozialen Status zu integrieren, ihnen das Gefühl der Zugehörigkeit zu vermitteln und eine Aufstiegsperspektive zu bieten.“(s. 36)
Um wen geht es dabei?
Ausländische Staatsangehörige sind mit rund 46,7 % nur noch eine Teilmenge der Personen mit Migrationshintergrund neben Eingebürgerten und (Spät-)Aussiedlern sowie deren in Deutschland geborenen Kindern. Die Einführung des Geburtsortprinzips (ius soli) durch die Reform des Staatsangehörigkeitsgesetzes im Jahr 2000 hat die Zahl der als Ausländer geborenen Kinder deutlich verringert. (S. 37)
Von den 82,1 Mio. Einwohnern Deutschlands im Jahr 2008 hatten 15,6 Mio.
Personen einen Migrationshintergrund. D.h. 19 % der Gesamtbevölkerung (2005: 18,3 %, 2007: 18,7 %) sind seit 1950 nach Deutschland zugewandert oder sind Nachkommen von Zuwanderinnen oder Zuwanderern (S. 37)
Mit 7,3 Mio. Menschen ist weniger als die Hälfte der Bevölkerung mit
Migrationshintergrund ausländischer Staatsangehörigkeit (8,9 % der
Gesamtbevölkerung), 8,3 Mio. haben einen deutschen Pass (10,1 % der
Gesamtbevölkerung). (S. 37)
Eine Differenzierung der Personen mit Migrationshintergrund (vgl. Abbildung 1) zeigt, dass im Jahr 2008 – wie im Vorjahr – zwei Drittel (10,6 Mio.) aller Personen mit Migrationshintergrund „eigene Migrationserfahrung“ hatten, d.h. sie waren (seit1950) selbst zugewandert (sog. „erste Generation“ ), während knapp ein Drittel (4,9Mio.) bereits in Deutschland geboren worden und somit „ohne eigene Migrationserfahrung“ war (sog. „zweite“ oder „dritte Generation“). 5,6 Mio. der 10,6 Mio. Zugewanderten mit eigener Migrationserfahrung sind
Ausländerinnen und Ausländer, fünf Mio. sind deutsche Staatsangehörige. (S. 39)
Die Alterspyramide für Deutschland im Jahr 2008 zeigt (vgl. Abbildung 1 im
Anhang), dass der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung in den jüngeren Altersstufen am größten ist. So haben inzwischen 34,4 % der Kinder unter fünf Jahren einen Migrationshintergrund, bei den Kindern bis zum Lebensalter von zehn Jahren sind es 32,7 %. Auch in der Altersgruppe bis 35 Jahre beträgt der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund mit 27,3 % deutlich über ein Fünftel der Gesamtbevölkerung. Dagegen beträgt der Migrantenanteil in der Altersgruppe über 65 Jahre nur 8,5 %. (S. 40)
Insgesamt sind Personen mit Migrationshintergrund (Durchschnittsalter: 34,4 Jahre) im Schnitt deutlich jünger als jene ohne Migrationshintergrund (Durchschnittsalter: 45,3 Jahre). An der Alterspyramide ist erkennbar, dass der Anteil der Personen ohne Migrationshintergrund in den jüngeren Jahrgängen abnimmt, die Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund bleibt hingegen konstant. Gleichzeitig ist angesichts des großen Anteils junger Migrantinnen und Migranten davon auszugehen ist, dass der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund kontinuierlich zunehmen wird. (S. 41)
In Deutschland leben Menschen aus über 100 Nationen. Die verschiedenen Kulturen und Sprachen sind vielfältig und unterscheiden sich oft in wesentlichen Punkten. Bei den meisten Befragungen muss man sich jedoch auf die größten Migrantengruppen konzentrieren, da es sonst sehr aufwändig oder gar nicht möglich wäre, statistisch relevante Ergebnisse zu erzielen.
Bei den einzelnen Gruppen sind jedoch je nach Herkunftsland bzw. -region zum Teil deutliche Unterschiede festzustellen. So ist beispielsweise ein
überproportionaler Frauenanteil bei Personen mit polnischem, rumänischem,
ukrainischem und russischem Hintergrund zu verzeichnen. Die Bevölkerung
afrikanischer, italienischer und griechischer Herkunft sowie Personengruppen aus dem Nahen und Mittleren Osten sind hingegen durch einen deutlich höheren Männeranteil gekennzeichnet. (S. 42)
Welchen Beitrag können die Medien dabei leisten?
Der Begriff der „medialen Integration“ meint die Integration der ethnischen
Minderheiten in die medial hergestellte Öffentlichkeit und in das Mediensystem. Mediale Integration bezieht sich dabei auf drei Dimensionen: die Mediennutzung, die Medienproduktion und die Medieninhalte.
Mediennutzung: Soziale und berufliche Integration setzt ein Mindestmaß an
Kenntnissen über die Aufnahmegesellschaft voraus. Soweit diese medial vermittelt sind, ist es unabdingbar, dass Migrantinnen und Migranten auch deutschsprachige Medien in einem relevanten Umfang nutzen und deren Angebote auch für Minderheitengruppen attraktiv sind. Mediale Integration schließt die ergänzende Nutzung heimatsprachlicher Medien nicht aus. Die ausschließliche Nutzung heimatsprachlicher Medien allerdings wäre gleichbedeutend mit medialer Segregation.
Medienproduktion: Mediale Integration bedeutet auch eine angemessene
Beteiligung von Migrantinnen und Migranten an der Medienproduktion und in den entsprechenden Berufen. Ohne eine ausreichende Einbeziehung und Präsenz von Medienschaffenden und Journalisten mit Migrationshintergrund vor und hinter Mikrofon und Kamera und in den Redaktionen fehlen deren spezifische Sichtweisen, Zugänge, Erfahrungen und Kenntnisse in der medial hergestellten Öffentlichkeit.
Medieninhalte: Schließlich gehört zur medialen Integration eine angemessene und differenzierte Darstellung und Präsenz von Migrantinnen und Migranten und von Migrationsthemen in den Medien, sodass die gesellschaftliche Wirklichkeit und die Normalität kultureller Vielfalt und Integration widergespiegelt wird. (S. 371/372)
Die Nutzung der klassischen Massenmedien – Presse, Radio, Fernsehen -, aber
stark zunehmend auch der digitalen Medien, wird in der deutschen
Gesamtbevölkerung und auch in bestimmten Bevölkerungssegmenten, z.B. bei Kindern und Jugendlichen, kontinuierlich repräsentativ erfasst. Bezogen auf das Bevölkerungssegment mit Migrationshintergrund gibt es diese Form
kontinuierlicher und repräsentativer Mediennutzungsforschung nicht. Es gibt jedoch in zunehmendem Maße repräsentative Einzelstudien, die den Wissensstand über die Medienausstattung, Mediennutzung und Medienkompetenz von Migrantinnen und Migranten in den letzten Jahren deutlich verbessert haben. Das gilt vor allem im Bezug auf die größeren in Deutschland lebenden Migrationsminderheiten. (S. 373)
Aus Sicht der Beauftragten sind gezieltere Anstrengungen zur Einbeziehung von Migrantinnen und Migranten in die Medienproduktion im Interesse einer besseren medialen Integration unerlässlich. (S. 379)
Der ERF produziert übrigens schon seit über 35 Jahren regelmäßig Programme mit Migranten und Ausländern. So arbeiten wir bei der Produktion des fremdsprachigen Telefonangebots in 25 Spachen regelmäßig mit mehr als 50 Ehrenamtlichen aus über 30 Nationen zusammen.
(Konkrete Infos zum Angeot gibt es bei ERF International www.erf.de/international)
Die Ergebnisse dieser Kausalanalysen belegen deutlich, dass die Nutzung deutschsprachiger Medien positive Effekte auf integrative und assimilative Verhaltensstrategien von Migrantinnen und Migranten haben kann, während kaum negative Effekte einer intensiven Nutzung
türkischsprachiger Medien identifiziert werden konnten. Dies heißt, dass die
Nutzung der Medien der Mehrheitsgesellschaft den Integrationsprozess fördert, die Nutzung herkunftssprachlicher Medien diesen Prozess aber nur wenig behindert. (S. 375, Fokus hier: Türkischsprachige)
Der ERF bietet ein umfangreiches deutschsprachiges Medienangebot – nähere Infos auf www.erf.de – aber auch christliche Inhalte in 24 Fremdsprachen für Migranten und Flüchtlinge in Deutschland, den Film „Jesus“ in 20 Sprachen mit deutschen Untertiteln und ein Türkisch/Deutsche website www.imam-glaube.de um Fremdsprachige in D mit der guten Nachricht in ihrer Herzenssprache in Kontakt zu bringen und ihnen die Integration in D zu erleichtern.
Wir freuen uns über die Vielfalt und die vielfältigen Möglichkeiten zur internationalen Zusammenarbeit in D – bei allen Herausforderungen, die sie natürlich auch mit sich bringen. Es lohnt sich:-)