Monatsarchiv für November 2008

Das Geheimnis von “Thanksgiving”

Donnerstag, den 27. November 2008

Heute, am 27.11.2008, wird wie an jedem 4. Donnerstag im November in den USA „Thanksgiving“ (Danksagung) gefeiert. In den USA ist „Thanksgiving“ ein staatlicher Feiertag, der mit dem deutschen Erntedankfest verwandt, aber nicht identisch ist. Einer – von verschiedenen – Überlieferungen zufolge war das erste „Thanksgiving“ eine Dankesfeier der  Pilgerväter Anfang des 17. Jahrhunderts, weil sie nur mit Hilfe einheimischer Indianer einen harten Winter überlebt hatten. So dankten sie den Indianern und Gott für die Bewahrung vor dem Hungertod. Wie aber hatten die Indianer den Pilgervätern konkret geholfen?

Der “Three sisters garden” (Drei-Schwestern-Garten) ist das Geheimnis von „Thanksgiving“, und veranschaulicht gleichzeitig auch das Geheimnis erfolgreicher Unternehmenskooperationen.

Für die amerikanischen Ureinwohner der Waldgebiete im Osten war der Begriff “Drei Schwestern” gleichbedeutend mit Mais, Bohnen und Kürbis. Es handelt sich um eine alte Anbaumethode, die das System der Mischkultur anwendet, um Mais, Bohnen und Kürbisse gleichzeitig in der gleichen Region anzubauen – typischerweise meistens eine runde Bodenerhebung, der oft Hügel genannt wurde.
Ein “Drei-Schwestern” Garten ist normalerweise eine Bodenerhebung, in deren Mitte Mais angepflanzt wurde. Bohnen umgeben den Mais und die Kürbisse wachsen an den Rändern.
Mais ist die älteste Schwester. Sie wächst aufrecht und groß in der Mitte. Der Mais bietet sich als natürliche Stange an, an denen sich die Bohne empor ranken kann. Der Mais und die Bohnenpflanze zusammen geben den Kürbissen Schatten.
Der Kürbis ist die nächste Schwester. Sie breitet sich auf dem Boden aus und schützt ihre Schwestern vor Unkraut und spendet mit ihren Blättern dem Boden und den flachen Wurzeln des Maises Schatten vor der Sonne und hält so den Boden kühl und feucht.
Die Bohne ist die dritte Schwester. Bohnenranken helfen dabei, die Maispflanzen zu stabilisieren und machen sie damit weniger anfällig dafür, im Wind umzuknicken. Bohnen helfen auch dabei, den Boden fruchtbar zu halten, indem sie die Sonnenenergie in Stickstoff umwandeln.
Die drei Schwerstern sind alle auf einem kleinen Bereich des Bodens angepflanzt, damit der Platz voll ausgenutzt werden kann. Diese drei Pflanzen können sehr aggressiv wachsen und mögen sehr viel Sonneneinstrahlung. Die symbiotische Wechselwirkung dieser drei Pflanzen ermöglicht es ihnen, mehr Früchte hervorzubringen, aber weniger Wasser und Dünger zu benötigen.
Mais, Bohnen und Kürbisse ergänzen sich auch als Nahrungsmittel gegenseitig. Mais hat viele Kohlenhydrate, getrocknete Bohnen sind proteinreich und gleichen den Mangel an notwendigen Aminosäuren des Maises aus. Und schließlich beinhaltet der Kürbis sowohl Vitamine in seiner Frucht als auch gesunde, köstliche Öle, die aus seinem Samen hergestellt werden. Außerdem: Nur zwei von den dreien genügen nicht. Ohne Mais oder Bohnen oder Kürbis wären die anderen beiden nicht so erfolgreich. So dient jede Pflanze dem Wachstum er anderen beiden ohne dass ein Eigennutzen sofort erkennbar ist. Der wird erst bei der Ernte sichtbar.

Was lässt sich daraus für erfolgreiche Kooperationen von Organisationen lernen? Es braucht
1. einen tragfähigen gemeinsamen Boden auf dem man steht und arbeitet,
2. ein verbindendes gemeinsames Ziel/Vision: Frucht bringen,
3. den gezielten Einsatz der individuellen Begabungen und Stärken der Partner
4. eine dienende Haltung, dass man den anderen mit den eigenen Begabungen dient – auch über die eigenen Interessen hinaus – mit dem Ziel des maximalen gemeinsamen Wachstums.

Mehr zu den „Drei Schwestern“ und anderen Gartenbildern für biblisches Leiten am Dienstagabend, 2.12.,  in der Sendung „Glaube + Denken“ um 21.30 auf ERF.

Kinder betteln – ich gebe?

Dienstag, den 25. November 2008

Beim Einkaufen in New Delhi, der Hauptstadt von Indien, begegnet man immer wieder Bettlern. Vor allem Kindern und Frauen mit Kindern. Die Kinder in ihren Lumpen zupfen einen am Arm, halten ihre kleinen Händchen hin und erwarten Geld. Nur einen Rupie. Umgerechnet weniger als 2 Eurocent. Lächerlich wenig.

Eine Frau mit Kind auf dem Arm hat mich Weißhaut entdeckt und hält mir ihre Hand hin. Obwohl ich tendenziell eher kein Geld an Bettler gebe, tut sie mir Leid. Ich will ihr helfen und sie gleichzeitig auch loswerden. Das kleinste Geld was ich habe, ist ein 10-Rupien-Schein. Den drücke ich ihr in die Hand und gehe weiter.

Nach ein paar Metern taucht ein Kind auf und zupft mich am Arm. Hey, ich will auch Geld von dir. Ich bin auch arm. Dieses Mal bleibe ich hart, auch wenn mir das schwer fällt. Ich ignoriere den kleinen Jungen. Er läuft immer wieder um mich herum um in meinen Blickwinkel zu kommen, und hält mir seine bettelnde Hand möglichst nah vors Gesicht. Aber ich bleibe hart, und bin erleichtert als mein indischer Kollege endlich ein Tricycle für die Weiterfahrt gefunden hat.
In dem Motorradtaxi unterhalten wir uns über die bettelnden Kinder. Die indischen Kollegen geben grundsätzlich nichts. Wenn man einem etwas gibt, dann tauchen direkt 10 weitere Hände auf, die zu Kindern gehören, die mindestens ebenso bedürftig aussehen. Das nimmt kein Ende, und es gibt Ärger, wenn man einigen von ihnen etwas gibt, anderen aber nichts. Also lieber gar nichts geben. Auch deshalb weil viele Kinder von ihren Eltern zum Betteln ausgebildet werden, und alles Geld abgeben müssen. Also hilft man den Kindern nicht wirklich damit. Aber ich kann an dem Elend doch auch nicht einfach vorbeisehen. Was Jesus hier wohl gemacht hätte?
Wir sind inzwischen mit dem Motorrad-taxi an unserem Ziel angekommen und da wartet schon die nächste bettelnde Kinderhand auf uns – oder besser gesagt auf mich, weil ich weiß und Ausländer und damit offensichtlich reich bin. Ich will kein Geld geben, ich will aber auch nicht einfach die Not des Kindes ignorieren. Also schaue ich mich um, sehe einen kleinen Kramladen und biete dem Jungen an, ihm dort etwas Essbares zu kaufen. Er geht darauf ein, zeigt mir den Schokoriegel, den er gerne haben möchte und ich bezahle. 30 Rupien. Viel mehr als der bettelnde Junge an Geld erwartet hätte, aber ich bezahle lieber mehr und weiß, wo das Geld hingeht und dass der Junge auch etwas davon hat.
Bedankt hat er sich nicht dafür, aber das ist seine Sache. Ich bin trotzdem froh, dass ich es dieses Mal so gemacht habe. Aber was ich wohl bei der nächsten bettelnden Hand mache, wenn kein Kramladen in der Nähe ist?

The sound of Dehli

Samstag, den 22. November 2008

“Noise is the main sound of Delhi”, der Hauptstadt Indiens. Es geht laut zu, vor allem im Straßenverkehr. Delhi ist “noisy” sagt auch Tom Lowell, der Präsident von TWR (Trans World Radio), als wir heute Morgen gemeinsam mit einheimischen Mitarbeitern und Gästen zur Einweihung der neuen Räume von TWR Indien gefahren sind. Tom hat Recht. Nur nehme ich den “noise” nicht mehr als so fremd war, weil ich 4 Jahre in den Philippinen gelebt habe, 3 davon in der Hauptstadt Manila. Meistens war ich dort mit dem Motorrad unterwegs um die ständigen Staus zu umgehen. Natürlich nur mit Atemschutz, da mir manchmal schwarz vor Augen wurde vor lauter Abgasen:-) Wie in Manila so hupt man auch in Delhi einfach um deutlich zu machen, Achtung hier komme ich! Und das ist auch wichtig, weil es auf den meisten Straßen in und um Delhi oft keine klaren Fahrbahnstreifenbegrenzungen gibt und da wo es sie gibt, hält man sich nicht dran. Man fährt mehr Freistil, so wie es gerade passt und wie man meint am schnellsten voran zu kommen.

Die Grundregeln dabei: 1. Der Stärkere – LKW vor Bus, Bus vor PKW, PKW vor Motorrad, usw. – hat Vorfahrt, und 2. Wer zuerst kommt mahlt zuerst. Alles andere regelt sich dann von selbst – zumindest meistens. Man überholt rechts wie links und fährt auch mal Einbahnstraßen verkehrt herum. Dabei muss man stets damit rechnen durch ein Fahrrad mit Anhänger oder ein Menschen-betriebenes Fuhrwerk ausgebremst zu werden. Bei solchen Verkehrsverhältnissen wundere ich mich immer wieder, wie wenig doch passiert. Jeder rechnet ständig mit jeder Unmöglichkeit. Statt in den Rückspiegel zu sehen, gilt es mehr auf die Hupsignale zu hören. Je lauter, desto stärker und desto näher.

Eben war ich eine halbe Stunde in Delhi mit einem Tricycle (das gelbgrüne Ei im Bild) unterwegs, einem Motorrad mit 3 Rädern und max 5 Sitzplätze – nach deutschem Maßstäben. Eine bunte und interessante Erfahrung. Kein Unfall. Viel Gehupe und viel Bewahrung. Bei solchen Fahrten werde ich immer wieder neu dankbar für die in Deutschland oft als alltäglich betrachtete Bewahrung im Straßenverkehr. Alltäglich ist diese Bewahrung natürlich nicht – weder in Delhi noch in Deutschland. In Städten wie Delhi wird mir das aber wieder bewusster:-)

Neue Zeiten in New Delhi

Dienstag, den 18. November 2008
Delhi-181108

New Delhi-181108

Sreedharan, der Mann hinter dem Erfolg der „Delhi Metro Rail Corporation“, die eine U-Bahn-Netzwerk für New Delhi bauen (siehe Bild ) steht, hat ein neues Projekt: „to spark a revival of values and ethics among Indians, especially the leadership“. D.h., er will eine Erneuerung oder eine Wiederbelebung von Ethik und Werten in Indien, besonders bei den Führungskräften. So zu lesen auf der Titelseite der „Times of India“ von heute, 18. Nov 2008.

Dazu hat Sreedharan einen Verein zur Wiederbelebung nationaler Werte gegründet. Hauptproblem sieht Sreedharan in einem extremen Egoismus und wenig Respekt vor dem Gesetz.

Vorrangiges Ziel ist es Werte wie Pünktlichkeit, Integrität und Professionalität in der Öffentlichkeit zu verankern. Ob eine Organisation tatsächlich wert auf ihre Werte legt, zeigt sich daran, wie sie auf Abweichungen reagiert, so Sreedharan. Soll heißen. Wer Werte für sein Unternehmen festlegt, der muss handeln, wenn diese Werte nicht eingehalten werden. Sonst sind die Werte der Unternehmensführung nicht wirklich wichtig.
Klingt gut, auch wenn einige spannende Fragen natürlich noch zu klären sind, wie z.B. wie man Werte wie Integrität messen kann, oder auch, inwiefern man durch das Einhalten messbarer Kriterien auch die Herzenseinstellung von Menschen langfristig verändern kann.
Dennoch: ob Deutschland hier nicht etwas von Indien lernen kann?

Konkurrenzlos stark sein

Freitag, den 14. November 2008

Der Neoliberalismus lässt alle Bürger “zu Konkurrenten werden. Der Stärkere, der sich in der freien Wildbahn der Konkurrenzgesellschaft durchsetzt, darf sich diesen Erfolg als persönlichen Verdienst anrechnen. Es ist von abgründiger Komik, wie Wirtschaftsmanager – und nicht nur die – dem Elitegeschwätz unserer Talkrunden auf den Leim gehen, sich allen Ernstes als Vorbilder feiern lassen und mental den Rest der Gesellschaft unter sich lassen. … Was bitte soll am Charakter von Leuten in Führungspositionen, die ihre Arbeit halbwegs ordentlich tun, exemplarisch sein?”
Das fragt Jürgen Habermas, der „wohl einflussreichste deutsche Philosoph“ in einem Interview in „DIE ZEIT“ vom 6.11.2008.

“Wie können wir optimalen service von Menschen und von Unternehmen erwarten, solange wir Konkurrenzkampf unkritisch als gut ansehen und dieses Denken tief in unserer Kultur verwurzelt ist? Wenn man sich den Ursprung des Wortes „Konkurrenz“ ansieht, so stammt es vom Lateinischen „concurrere” = zusammen laufen. Das macht deutlich, dass es bei Konkurrenz im eigentlichen Sinne viel mehr um ein Zusammen-arbeiten als ein Gegeneinander-kämpfen geht.
Ich denke, wenn wir eine mehr dienende und füreinander sorgende Gesellschaft anstreben, dann muss das (falsche) Konkurrenzstreben stark in den Hintergrund rücken, wenn nicht ganz ausgerottet werden.
Je stärker der Drang zu dienen ist, desto geringer das Interesse zu konkurrieren. Der dienende (Leiter) ist stark ohne zu konkurrieren.”
Das sind Gedanken, frei übersetzt aus Robert K. Greenleaf: (1998) “The Power of Servant Leadership”. Robert K. Greenleaf: (1904-1990) ist der Gründer des “Servant Leadership” in den USA.

Ich frage mich, was würde sich in der Gesellschaft ändern, wenn Leiter und Mitarbeiter das Konkurrenzdenken ganz ablegen würden – z.B. wenn es um die Aufstiegsplätze im Unternehmen geht oder um das geistliche Ansehen in der Gemeinde – und stattdessen das gemeinsame Dienen in den Vordergrund stellen würden?

Das klingt zwar unwahrscheinlich aber auch spannend, weil dann keine Kraft mehr durchs Gegeneinander-kämpfen vergeudet würde, sondern alle Kraft in das Miteinander-laufen investiert werden könnte. Da könnte man zusammen richtig was bewegen:-)

GOTT ist Capitalist

Samstag, den 8. November 2008

Es ist im Sternen-Saal
Ein Banco angeleget,
Da ist manch Capital,
Das viel an Zinsen träget,
Man legt ein Sc
härfgen ein,
Die Zinsen aber geben
Was ewig Noth mag seyn
Aufs herrlichste zu leben.


GOTT ist Capitalist,
Der keinen hat betrogen
Und so es wenig ist,

Es keinem vorgezogen.
Wer Armen guts gethan
Mit eifrigem Bemühen
Denselben sieht er an,
Als wenn ers ihm geliehen.

Ein Gedicht von Johann Andreas Wiegleb (1695 – 1716), das von August Herrmann Francke zu einem Nachruf auf Wieglebs Schwester Johanna Eleonora unter dem Originaltitel „Wer sich des Armen erbarmet“ 1721 veröffentlicht wurde. Zitiert in „DIE ZEIT“ vom 6.11.2008.

Das Gedicht macht drei gravierende Unterschiede zwischen menschlichen Kapitalisten und Gott als Kapitalist deutlich:

  1. Das bei Gott auf der himmlischen Banco eingezahlte Kapital ist auf ewig sicher.
  2. Die Rendite reicht für ein herrliches Leben in Ewigkeit.
  3. Gott hat bei der Vermehrung des eingezahlten Kapitals ausschließlich das Beste der Anleger im Sinn.

Diese einmaligen Konditionen gibt es ausschließlich bei Gott.

Wachstum braucht Wasser

Donnerstag, den 6. November 2008

“Segen soll über den kommen, der seine ganze Hoffnung auf den Herrn setzt und ihm vollkommen vertraut. Dieser Mann ist wie ein Baum, der am Ufer gepflanzt ist. Seine Wurzeln sind tief im Bachbett verankert: Selbst in glühender Hitze und monatelanger Trockenheit bleiben seine Blätter grün. Jahr für Jahr trägt er reichlich Frucht.” Mit diesen Worten wird Gott zitiert in der Bibel bei Jeremia, Kapitel 17, Verse 7-8.

Wer sich hingegen von Gott abwendet und sich nur noch auf Menschen oder auf seine eigene Kraft verlässt, “der ist wie ein kümmerlicher Wacholderstrauch in der Wüste, der versucht, auf salzigem, unfruchtbarem Boden zu wachsen, er wird nicht viel Glück haben.” (Vers 6)

Die Analogie: Kein gesundes Pflanzenwachstum ohne Wasser. Das weiß jeder Gärtner. Kein gesundes Menschen- und Mitarbeiterwachstum ohne Gottes Segen. Das weiß jeder Leiter, der sich ehrlich seinen Begrenzungen stellt.

Die Frage, die sich daraus ergibt: Wer bin ich, wer bist Du in dieser Analogie? Der Baum am Wasser oder der Strauch in der Wüste? Und wo bekomme ich als Leiter das wachstumsnotwendige Wasser her für mich und für meine Mitarbeiter – wenn nicht von Gott?

Fegen fürs Ge”unserWohl”

Samstag, den 1. November 2008

Das war knapp. Beinahe wäre ich der Versuchung erlegen gewesen. Es war draußen beim Fegen. Der Bürgersteig wollte einfach nicht aufhören. Und dann so viele Blätter. Bei jedem Windstoß kamen neue dazu. Und dann war da der Abfluss im Rinnstein. Er hatte keine großen Öffnungen, aber die kleinen Blätter vom Bürgersteig würden gut durchpassen.

Mein spontaner Gedanke: Wie wäre es, wenn ich anstatt die Blätter weiter aufzufegen, sie einfach in den Abfluss fegen würde? Geht schneller, keiner sieht’s und keiner merkt’s. Warum also nicht? Ist sicher verboten, dachte ich, aber was soll’s, es passiert ja keinem was.
Das einzige, was passieren könnte, wäre das beim nächsten starken Regen das Wasser nicht so gut abläuft, und über die Straße den Berg runter läuft. Wir wohnen zwar ganz oben, aber weiter unten gibt es schon immer mal Probleme mit dem Wasser. Und ich kenne einige der Nachbarn, die weiter unten wohnen. Ne, denen wünsche ich kein Wasser im Keller.

Also habe ich es nicht getan, sondern schön anständig die Blätter zusammengefegt, dann in den Eimer und von da in die schwarze Tonne. Warum? Weil es sich nicht gehört, weil es wahrscheinlich verboten ist und weil mir das Wohl der Nachbarn am Herzen liegt.

Alles gute Gründe. Aber welcher dieser Gründe zieht bei mir am besten?
Das gehört sich nicht: Zeitweise hilfreich um gewisse Grundregeln fürs angenehme Miteinander zu pflegen. Allerdings regelmäßigen Änderungen je nach Kultur unterworfen. Und manchmal reizt gerade das Anders-Sein.
Das ist verboten: Legt die allgemeinen Spielregeln fürs Zusammenleben fest. Braucht es in jeder Gesellschaft. Braucht auch konkrete Sanktionen/Konsequenzen, da sonst wirkungslos. Hilft bei mir als Orientierung, da ich aus dem Alter des „Verbotenes-reizt-besonders“ inzwischen herausgewachsen bin Hilfreich fürs Grobe, aber weniger für meinen Alltag.
Das Wohl der anderen: Wird mir erst dann wichtig, wenn „der/die Andere“ ein konkretes Gesicht bekommt. Erfordert Begegnung. Trägt jedoch auch in schwierigen Zeiten und kann wahre Wunder wirken, wenn jeder das Wohl der anderen im Blick hat. Wenn „dein Wohl“ auch mir wichtig ist, dann wird aus Ge”meinWohl” Ge”deinWohl” – und damit zum Ge”unserWohl”. Das macht Sinn und motiviert mich letztlich am meisten:-)